Achat – Edelstein nach Hildegard von Bingen als Psychomittel?

 In Edelsteine, Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen schreibt:

„Der Achat entsteht aus einem bestimmten Sand des Wassers, das sich von Osten bis Süden erstreckt, und er ist heiß und feurig, hat aber doch größere Kraft von der Luft und vom Wasser als vom Feuer. Denn wenn jenes Wasser, wo er wächst, zurückgeht, so dass der Sand ohne Wasser sichtbar wird, dann wird ein gewisser Teil dieses Sandes von der Sonnenglut und der Reinheit der Luft durchtränkt, so dass er zu einem Edelstein aufleuchtet. Und wenn die Wasserflut anwächst, nimmt sie diesen Stein aus dem Sand und führt ihn in andere Länder.“

Verstand – Redekunst

„Wenn jemand diesen Stein bei sich trägt, soll er ihn auf seine nackte Haut legen, so dass er warm wird, und seine Natur macht jenen Menschen kompetent, verständig und klug in der Rede, weil er von Feuer und von Luft und von Wasser stammt, denn durch seine gute Kraft löst er die Säfte auf, die den Verstand des Menschen abstumpfen. Denn wie irgendein schlechtes Kraut, das auf die Haut des Menschen gelegt wird, dort manchmal eine Pustel oder ein Geschwür entstehen lässt, so machen umgekehrt gewisse kostbare Steine, wenn sie auf die Haut des Menschen gelegt werden, ihn durch ihre Kraft gesund und verständig.“

Am besten trägt man einen Achatscheiben-Anhänger an einer Kette, da dieser so am besten an der Haut anliegt. Natürlich muss aber darauf geachtet werden, dass ein Naturachat verwendet wird. Viele Achate die es zu kaufen gibt, sind gefärbt wie z.B. in Grün, Rot, Pink oder Blau. Diese sollen auf keinen Fall verwendet werden.

Der Achatstein soll den Menschen bei Lampenfieber, Aufregung, Hemmungen und Schulangst, psychisch stärken. Dieser Stein verleiht einen die Kraft seine Hemmungen z.B. bei Vorträgen zu verlieren und schwierige Situationen kompetent und klug zu meistern. Besonders für junge Menschen in der Pubertät soll dies ein Mittel zur inneren Harmonisierung sein. (Große Hildegard-Apotheke)

Mondsucht

„Wer mondsüchtig ist, soll drei Tage, bevor nach seiner Erfahrung die Zeit seiner Verwirrung bevorsteht, diesen Stein drei Tage lang in Wasser legen und ihn am vierten Tag herausnehmen. Dann soll er dieses Wasser vorsichtig erwärmen und alle Speisen, die er isst, während er nicht ganz bei Sinnen ist, damit kochen, und er soll den Stein in dieser Zeit in jedes Getränk legen und oben abtrinken. So soll er fünf Monate lang verfahren, und er wird sein Bewußtsein und die Gesundheit wiedererlangen … Denn da der Betroffene durch die Kraft dieses Steins mit Wasser gestärkt wird und da die Wärme dieses Steins durch vorsichtig erwärmtes Wasser angeregt ist, sollen die Speisen dieses Menschen mit diesem Wasser angerichtet sein, und sein Trank soll mit eben diesem Stein gestärkt werden, wie beschrieben, und so beruhigen sich durch die Wirkkräfte dieser Mischungen … die Säfte, die jenem Menschen die Verwirrung bringen.“

Hier hat Hildegard ein Mittel gegen Mondsüchtigkeit beschrieben. Ob dies jetzt diesen betroffenen Menschen wirklich hilft oder nicht, wurde nicht untersucht. Wenn diese wollen, können sie dies einmal ausprobieren, schaden kann dies nicht.

Fallsucht oder Epilepsie

„Ein Mensch, der die Fallsucht hat, und jener, der mondsüchtig ist, soll immer einen Achat auf seiner Haut tragen, und es wird ihm besser gehen. Menschen werden vielfach mit diesen Krankheiten geboren, vielfach ziehen sie sie sich durch ein Übermaß schlechter Säfte und Übel zu. Wer die Fallsucht hat, soll drei Tage lang einen Achat in Wasser legen, wenn der Mond bereits voll ist, und ihn am vierten Tag heraus nehmen. Jenes Wasser soll er vorsichtig zum Kochen bringen, so dass es nicht aufschäumt, und er soll es so aufheben und damit alle seine Speisen kochen, die er in der Zeit isst, bis der Mond völlig abgenommen hat. Und in alles, was er trinkt, es sei Wein oder Wasser, soll er einen Achat legen, und so soll er zehn Monate lang verfahren und er wird geheilt werden … Der Achat muss deshalb bei Vollmond in Wasser gelegt werden, weil seine Kraft zu dieser Zeit am stärksten ist, denn er stammt ja von der Luft. Das Wasser muss deshalb erhitzt werden, damit die Wärme des Steins durch fremde Wärme aktiviert wird, und das soll vorsichtig geschehen, damit nicht durch übermäßiges Erhitzen seine Kraft geschwächt wird, und es sollen bei abnehmendem Mond alle Speisen des  betroffenen Menschen mit diesem Wasser vermischt werden. Ähnlich soll dieser Stein auch in seinen Trank gelegt werden, damit seine Kraft den Trank stärkt. Und das heilt so, wie beschrieben, und die ganz schlechten Säfte dieser Krankheit werden … in diesem Menschen verschwinden.“

In der Großen Hildegard-Apotheke wird als „Fallsucht“ die Krankheit „Epilepsie“ interpretiert.

Die Epilepsie ist ein Krankheitsbild mit spontan auftretenden Krampfanfällen, welche wenige Sekunden bis zu ein bis zwei Minuten gehen können. Es kann weiter zur Bewusstlosigkeit kommen, mit heftigen Krämpfen und unkontrollierten Zuckungen. Ursache dieses Leidens ist eine vorrübergehende anfallsartige Funktionsstörung von Nervenzellen im Gehirn.

Gerade im Mittelalter wurde geglaubt, dass diese Betroffenen von bösen Geistern oder dem Teufel besessen waren. So gab es in der Volksmedizin sogenannte „Anti-Dämonialia“, Psychomittel um diese Dämonen auszutreiben.

Hildegard beschreibt mit einer genauen Anweisung, wie diese „Fallsucht“ geheilt werden soll und, dass die ganz schlechten Säfte dann ganz verschwinden. Jedoch bei Hildegard´s Beschreibung steht auch, dass diese Erkrankung vielfach angeboren wäre, desweiteren an einem Übermaß von schlechten Säften (Übermaß in der Ernährung oder schlechten Tugenden?) oder einem anderen Übel wie z.b. Dämonen, böse Geister oder gar der Teufel?

Diebstahl

„Der Mensch soll aber auch jede Nacht, bevor er sich zu Bett begibt, einen Achat offen in Kreuzform längs und quer durch sein Haus tragen, und Diebe werden dort weniger ihre Pläne verwirklichen und ausführen können und sie werden dort beim Stehlen weniger über  ihre Kräfte verfügen. Die Wirkkraft dieses Steins ist nämlich der Kunst, die der Teufel den Dieben eingibt, entgegengesetzt und schwächt sie, weil die bösen Geister seine Wirkkraft hassen.“

Auch hier soll der Achat die von den bösen Geistern besessenen Diebe schwächen, so dass diese ihre Tat nicht verwirklichen können.

Literatur:

  • Physica, Prof. Ortrun Riha, Beuroner Kunstverlag, 2012
  • Große Hildegard-Apotheke, Hertzka/Strehlow, Christiana Verlag, 2010
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