Rebenasche – Weinstock (vitis) Hildegard von Bingen
Hildegard von Bingen schreibt in ihrem Werk Physica:
„Der Weinstock hat feurige Hitze und Feuchtigkeit. Aber jenes Feuer ist so stark, dass es seinen Saft in eine andere Art von Geschmack verwandelt, als ihn andere Bäume oder andere Kräuter haben. Daher macht jenes große Feuer auch sein Holz so trocken, dass es anderen Hölzern fast unvergleichbar ist. Der Weinstock ist Holz, das sich der Erde entwindet, und gleicht eher den Bäumen als den Kräutern, weil Kräuter, sobald sie gewachsen sind, Samen hervorbringen; der Weinstock trägt jedoch – ähnlich wie Bäume – nicht sofort, sondern im zweiten oder dritten Jahr Frucht. Da die Erde vor der Sintflut brüchig und feingemahlen war, brachte sie keinen Wein hervor. Nachdem sie jedoch durch die Sintflut durchfeuchtet und gefestigt wurde, brachte sie Wein hervor, weil die Erde jetzt im Vergleich zur Erde vor der Sintflut wie Kieselstein im Vergleich zur jetzigen Erde ist“.
„Wenn das Fleisch um die Zähne fault und wessen Zähne schwach sind, der lege heiße Weinstockasche in Wein, als ob er eine Lauge machen wolle, und dann soll es mit jenem Wein die Zähne und das Fleisch, das um seine Zähne ist, waschen. Das soll er oft tun, und jenes Fleisch wird geheilt werden, und die Zähne werden stark sein. Auch wenn seine Zähne gesund sind, wird ihnen diese Waschung nützen und sie werden schön. Denn die vermischte Wärme der Asche und des Weines, wegen der Schärfe zubereitet wie eine Lauge, beruhigt Fäulnis und Schmerz der Zähne“.
Hildegard von Bingen, Physica, 3.54


