Muskateller-Salbei – was schreibt Hildegard von Bingen ? – Verdauung – Appetit – Kopfschmerzen

 In Gewürze, Rezepte

Muskateller-Salbei (scarley, patris, saluia, cicula)

„Muskateller-Salbei ist mehr warm als kalt und wirkt gegen Gifte“

Hildegard von Bingen schreibt:

Magen

„Wenn der Magen so schwach ist, dass er vom Essen leicht krank wird und dass er von Speisen eitrig wird, der nehme Muskateller-Salbei … und koche das zusammen in gutem Wein unter Beigabe von etwas Honig. Er seihe es durch ein Tuch und trinke es oft nach dem Essen und zur Nacht, und sein Magen wird sanft gereinigt werden, und er wird Appetit zu essen haben, weil die gute Wärme dieser Kräuter, vermischt mit der Wärme von Wein und Honig, den alten und verklumpten Schleim im Magen austreibt.“

Das Muskatellersalbei-Elixier ist der beste Trank zur Reinigung des verschleimten Magens von zu vielem Essen, wie das Schlemmen von zu fetten Speisen mit Fleisch oder Rohkost, die schlecht verdaut werden.

Dr. Hertzka lobt das Muskatellersalbei Elixier als „das wichtigste Mittel zur Ausheilung einer chronischen Magenschleimhautentzündung, die sich leicht in ein Magengeschwür wandelt und in Magenkrebs übergehen kann.“

„Wenn aber die Menschen übermäßig viele Speisen gegessen haben, die entweder zu roh und ungekocht oder halbgar und insbesondere außergewöhnlich fett und schwer, aber auch saftlos und trocken waren, dann können manchmal das Herz, die Leber und die Lunge und die anderen Wärmespeicher, die im Menschen sind, dem Magen nicht mit so viel und so starker Wärme beispringen, dass diese Speisen gar gekocht werden. Daher gerinnen sie im Magen, verhärten sich und werden schimmelig … , so dass schädliche überreichende Darmgase … durch den ganzen Körper ausgesendet werden.“

Kopfschmerz

„Auch wer Kopfschmerzen hat, koche Muskateller-Salbei in Wasser, drücke das Wasser aus und lege ihn so heiß ringsum auf seinen Kopf und bedecke das Haupt mit einem Tuch, um so einzuschlafen, und es wird ihm besser gehen. Seine gute Wärme nämlich vermindert die verschiedenartigen Säfte, die den Kopf quälen.“

 

Etwas Botanik

Muskateller-Salbei / Salvia sclarea gehört zu den Lippenblütlern der Familie der Lamiaceae.  Dieses Kraut ist kräftig, würzig-aromatisch duftend. Die Stängel sind grau behaart und oben drüsig. Die Blätter sind unten in Rosetten und breit eiförmig-herzförmig. Die Blüten haben in den Achseln große, weißliche, violett überlaufende Tragblätter, die Krone ist blass-blau. Die Lippenblüte ist bis 30 mm lang. Der zweijährige Muskatellersalbei hat eine Höhe von 30 bis 120 cm und blüht von Mai bis August. Sein Verbreitungsgebiet ist in Mittelmeergebiet, Iran, Südostasien, als Gewürz- und Heilpflanze wird er in warmen Lagen in Mitteleuropa kultiviert.

Als Wirkstoffe enthält dieses Kraut: ätherisches Öl mit Linalylacetat, daneben Linalool, Myrten und Caryophyllen und als Diterpen Sclareol.

Angebaut wurde der Muskatellersalbei vor allem im 19. Jahrhundert, aufgrund des duftenden ätherischen Öls. Dieses wurde Weißwein zugesetzt, um diesem eine der Muskatellertraube ähnlichen Geschmacksnote zu verleihen sowie die berauschende Wirkung des Weins zu verstärken. Der Muskatellersalbei wird in der Volksheilkunde, aber nicht in der Schulmedizin verwendet, zur Verdauungsförderung, der Linderung von Menstruationsbeschwerden, bei Kopfschmerzen, Krämpfen und Nierenbeschwerden. Bei Mundspülungen unterstützt er die antibakterielle Wirkung. Heutzutage werden noch Wermutweine und Liköre mit Muskatellersalbei aromatisiert.

 

Literatur

  • Causae et Curae, Prof. Ortrun Riha, Beuroner Kunstverlag, 2011
  • Physica, Prof. Ortrun Riha, Beuroner Kunstverlag, 2012
  • Große Hildegard-Apotheke, Hertzka/Strehlow, Christiana Verlag, 2010
  • Das neue Handbuch der Heilpflanzen, Schönfeld, Kosmos Verlag, 2011
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